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Interview mit Marc de Broissia

Submitted by on 21. Oktober 2011 – 14:15No Comment | 467 views

Marc de Froissard de Broissia ist seit vielen Jahren auf die Ausbildung iberischer Pferde, Lipizzaner und Friesen spezialisiert und gilt als Wegbereiter der Barockpferdeszene in Deutschland. Die Ausbildungsmethode des französischen Reitmeisters ist heute mehr als anerkannt, die Ergebnisse seiner Arbeit unumstritten. Seine Ausbildungsmethoden richten sich nach den Lehren der klassischen alten Reitmeister, wie – um nur einige zu nennen – Francois Baucher, Francois Robichon de la Guérinière und Gustav Steinbrecht. Er ist Autor des Buches „Iberiens Reitweisen“ und faszinierte mit seinem Lusitanohengst Guapo bei zahlreichen Show- und Messeauftritten das Publikum. CAROLA LENSKI

Geboren wurde Marc de Froissard de Broissia, im französischen Marigna sur Valouse. Seine Liebe galt bereits als Kind den Pferden. Den Kinderreitstiefeln entwachsen, wählte er den Beruf des Ecuyers, eines französischen Reitmeisters. Damit trat er in die Fußstapfen seines adligen, aus Burgund stammenden, Vorfahr Antoine de Froissard, dessen Name zum ersten Mal im Jahr 1279 Erwähnung fand. Der Name der DE FROISSARD’S – DE BROISSIA’S ist eng mit reiterlicher und militärischer Tradition verbunden.

Als Seigneur de Belpaur und Ecuyer hatte Antoine de Froissard sich hohe reiterliche Ehren erworben. Marc de Broissia führt diese, seit Jahrhunderten bestehende Familientradition bis heute fort. Bereits mit einundzwanzig Jahren war Marc de Broissia diplomierter und damals jüngster Reitlehrer Frankreichs. Den begeisterten Springreiter zog es Anfang der 70er Jahre nach Deutschland, wo in der Nähe von Worms in einem Trakehnergestüt tätig war. Er entdeckte seine Liebe zur Dressurreiterei. Im Reitinstitut von Egon von Neindorff absolvierte er schließlich seine nächste reiterliche Ausbildung. Dort begegnete er auch zum ersten Mal Lipizzanern und iberischen Pferden und erlag deren Faszination. Imposanz, Charme, Talent und die Sensibilität der Pferde beeindruckten ihn tief.

Dies sollte für seinen weiteren beruflichen Lebensweg von entscheidender Wichtigkeit sein. Die iberischen Pferde sollten ihn nicht zur Ruhe kommen lassen. Er verfeinerte seine Reitkunst in Portugal auf dem legendären Staatsgestüt Altér Real und in Spanien. Namhafte Reitmeister und Stierkämpfer, wie José Athayde und Manuel Jorge de Oliveira sowie Rafael Jurado Castillo (Doma Vaquera) zählten zu seinen Ausbildern. Seit insgesamt sechsunddreißig Jahren lebt Marc de Broissia nun in Deutschland. Vor etwa drei Jahren hat er sich in Aldersbach, in der Nähe von Passau, niedergelassen, wo er sich der Ausbildung spanischer Pferde und Lusitanos widmet. Europaweit lehrt er die Reitkunst der Alta Escuela, die Hohe Schule der Reitkunst. Die Reiterei sieht er als Passion und seinen Beruf als Ecuyer als eine Lebensaufgabe. Für ihn bedeutet die Reiterei auch harte Arbeit an sich selbst.

Sein oberstes Leitprinzip lautet: „Demander peu, répéter souvent er carresser beaucoup“ (Etienne Beudant). In Deutsch: „Stelle dich mit wenig zufrieden, wiederhole oft und lobe viel.“ Marc de Broissia gehört heute zu den berühmtesten Reitmeister der klassischen Reitkunst und hat bereits jetzt seine eigenen Spuren hinterlassen. Der gebürtige Franzose pflegt nach wie vor immer noch gute Kontakte in seinem Heimatland Frankreich sowie in Spanien und Portugal. Bei der Suche nach guten iberischen Pferden ist er gerne behilflich.

Pferde Regional sprach mit dem Reitmeister in Aldersbach in der Nähe von Passau. Dort bot er mit dem sechsjährigen Lusitanohengst „Viegas“, der erst seit zwei Jahren unter dem Sattel ist, einen kleinen Einblick in seine Arbeit mit dem Pferd am Boden sowie in die Kunst der klassischen Reitweise. Die Hilfengebung des Reitmeisters erfolgte dabei absolut ruhig und geduldig, ließ aber nichts an Souveränität vermissen. Immer die reiterliche Hand- und Beinarbeit de Broissias im Fokus behaltend, waren jedoch für den Zuschauer die Hilfen, die der Reitmeister dem Pferd erteilte, nicht wahrnehmbar.

Pferde Regional: Zu den ersten und ältesten Reitweisen gehört die Gebrauchs- beziehungsweise Arbeitsreitweise. In Spanien ist dies – auch heute noch – die Doma Vaquera, die dem Hüten der Stiere dient. Wie muss ein Pferd hierfür ausgebildet werden?

Marc de Broissia: Die Doma Vaquera ist eine Spezialität in der Reiterei. Grundsätzlich werden hierfür besondere Pferde benötigt, die sich speziell für diese Arbeitsreitweise eignen. Meist werden Cruzados, gekreuzte Pferde (Mischlinge), Hispanoaraber oder so genannte Tressangres (Dreiblut) dafür verwendet. Tressangres entstehen aus Paarungen zwischen Hispanoaraber-Stuten und Englischen Vollbluthengsten oder aus Paarungen zwischen Angloarabern und Pferden der Rasse Pura Raza Espanol (P.R.E.). Diese Pferde, die keine eigene Rasse darstellen, vereinen Robustheit und Wendigkeit des P.R.E., die Schönheit, Spritzigkeit und Zähigkeit des Arabischen Vollblutes sowie die Schnelligkeit des Englischen Vollblutes. Aufgrund dieser Eigenschaften sind sie ideale Pferde für die Doma Vaquera. Mittlerweile sieht man bei Doma Vaquera-Prüfungen aber auch Pferde der reinen Rasse Pura Raza Espanol (P.R.E.). Doma Vaquera-Pferde sollten eine gute Galoppade aufweisen können. Galopp und Schritt sind die wichtigsten Grundgangarten für diese Arbeitsreitweise. Es gibt drei anspruchsvolle Prüfungen in der Doma Vaquera.

Jüngere Pferde von fünf bis sechs Jahren (erste Prüfung) werden – geritten mit vier Zügeln – in den Gangarten Schritt, Trab, Galopp und den Seitengängen vorgestellt. In der zweiten Prüfung werden Pferde älter als sechs Jahre geritten in Schritt, Trab und Galopp bis hin zu den Seitengängen und zu den Galoppwechseln. Wenn die Pfer-de fertig ausgebildet sind, wird nur noch einhändig im Schritt und Galopp geritten. Dann muss ein Pferd Galoppwechsel, Serienwechsel bis zu einem Tempi, Galopp- und Vaquero-Pirouetten beherrschen, schnell beschleunigen und abrupt anhalten können. Das Wichtigste dabei ist, dass das Pferd nach dieser extremen nervlichen Be-lastung schnell wieder gelassen wird. Es muss sozusagen von null auf 100 beschleunigen können und anders herum. In den schwierigen Prüfungen muss das Pferd einhändig links auf Kandare geritten werden. Bei allen Prüfungen erfolgt eine strenge Kontrolle, was die Ausrüstung von Pferd und Reiter anbelangt.

Pferde Regional: Was sind typische Elemente der Doma Vaquera?

Marc de Broissia: Die Pirouette – hier ist zu unterschieden zwischen der klassischen Pirouette und der Vaquero-Pirouette -, der Kontergalopp und die Galopp-Traversale sind typische Elemente der Doma Vaquera. Ziemlich harte Stopps, das „parar a reya“, in etwa vergleichbar mit dem Sliding Stop in der Westernreiterei sowie extreme Beschleunigungen und Tempowechsel, ähnlich der Speedcontrol im Westernreiten gehören ebenfalls dazu. Das Pferd muss permanent mit allen Sinnen bei der Sache sein. Die Prüfungen sind so aufgebaut, dass der Schwierigkeitsgrad immer mehr zunimmt. Viele Übergänge flüssig und rhythmisch sind verlangt.

Pferde Regional: Die Alta Escuela, die Hohe Schule der Pferdeausbildung, deren Wurzeln eigentlich auch auf die Arbeitsreitweise zurückführen, beeinflusste die Reiterei in anderen europäischen Ländern maßgeblich. Welchem Zweck, abgesehen von Schönheit und Repräsentation, dienen die Lektionen der Hohen Schule, wie beispielsweise die Levade oder Pessade?

Marc de Broissia: Früher dienten die Lektionen der Hohen Schule dazu, in der Kriegsreiterei dem Feind besser ausweichen zu können, näher an ihn dran zu kommen, ihm gefährlich werden zu können und sich besser gegen ihn wehren zu können. Heute dient der spanische Schritt neben Showzwecken und der Darstellung des Pferdes, der Gymnastizierung der Schulter. Er ist aber auch Mittel, zur Vorbereitung anderer Lektionen. All diese Lektionen dienen heute dem Erhalt der klassischen Reitkunst. Sie sind Kulturgut, das erhalten werden muss. Man könnte diese Lektionen aber auch als Ergebnis einer fundierten Ausbildung be-trachten und als Beweis, dass man seine Reiterei vervollkommnet hat. Persönlicher Ehrgeiz kann dabei unter Beweis gestellt werden. Stolz und Zufriedenheit kann ein Ausbilder empfinden, wenn er sein Ziel, ein perfekt ausgebildetes Pferd, das unter Anderem levadieren kann, erreicht hat.

Pferde Regional: Welche anderen Lektionen sind typisch für die Alta Escuela?

Marc de Broissia: Die Königsdisziplinen der Alta Escuela sind die Piaffe und die Passage. Iberische Pferden haben bei der Ausführung dieser Lektionen meist eine enorme Ausstrahlung. Doch nicht alle sind dafür geeignet.

Pferde Regional: Pilare sind zwei runde Pfähle, etwa eineinhalb Meter voneinander entfernt und werden bei der Hohen Schule für Übungen über der Erde verwendet, wie zum Beispiel die Croupade. Haben diese Säulen in Ihrer Pferdeausbildung auch einen Platz?

Marc de Broissia: Früher wurden die Kriegspferde sehr viel nach der Ausbildungsmethode von Pluvinel ausgebildet. Reitlehrer Antoine de Pluvinel, einer der wichtigsten Vertreter der gewaltfreien Lehrmethode in der Reiterei, beschäftigte sich ausgiebig mit der Ausbildung von Pferde an der Hand und erfand hierfür als Hilfsmittel die Pilaren. Erst wurden den Pferden die Piaffe, dann die Croupade zwischen den Pilaren gelehrt. Heute sieht man dieses nur noch selten. In den Reiterakademien von Wien, Frankreich, Portugal und Spanien sieht man meist Piaffen. Croupaden sind nur noch beim Cadre Noir, der berühmtesten französischen Reitschule in Saumur zu sehen. Dort wird jungen Reitschülern zwischen den Pilaren das Gefühl für die Piaffe vermittelt, mit dem Zweck, dass sie lernen, korrekt zu sitzen. Ich selbst habe extreme Arbeit mit Pferden an den Pilaren geleistet. Allerdings muss man die Pferde Schritt für Schritt an diese Arbeit heranführen. Es muss ein systematischer, ruhiger Aufbau erfolgen. Vor allem muss man wissen, was man tut und mit welcher Intensität man touchiert. Ein Könner in dieser Arbeit war Nuno Oliveira. Er hat Pferde ohne Hilfszügel, nur mit einem einfachen Halfter und zwei Stricken an den Pilaren piaffiert.

Pferde Regional: Welche Pferderassen eignen sich, Ihrer Meinung nach, am besten für die zuvor erwähnten Reitweisen?

Marc de Broissia: Das kommt ganz auf das Gebäude eines Pferdes, seinen Bewegungsablauf, eine bestimmte Mechanik, das Interieur, sein Temperament, den Charakter, seine Bereitschaft zur Mitarbeit und seinen Geist an. Es gibt außer den Iberern auch andere Rassen, wie beispielsweise den Hispanoaraber, der eine Ausnahme bildet, wenn Exterieur und Geist ähnlich dem des Iberers sind. Warmblüter, wenn auch etwas schwerer, können teilweise auch gute Knieaktionen bieten und sich gut versammeln lassen.

Pferde Regional: Gibt es Lehrer, die Ihre Ausbildungsmethoden beeinflusst haben?

Marc de Broissia: Bei meiner Erstausbildung in Frankreich wurde ich sehr stark vom Militärdrill beeinflusst. Dort war ich ursprünglich Springreiter, wobei mir das Springtraining für meine weitere Ausbildung zugute kam. Es vermittelte mir viel Gefühl für die Galopparbeit und Rhythmus. Weiterhin beeinflusste mich in Karlsruhe ein Reitmeister, der sich damals sehr aufgeschlossen gegenüber der Sportreiterei zeigte. Dies war Egon von Neindorff. Bei ihm sah ich erstmals Lipizzaner, Spanier und Lusitanos piaffieren. Damals, im Jahre 1975, kannte man in Deutschland hauptsächlich das Deutsche Warmblut. Von Nein-dorff hatte aber erkannt, dass die iberischen beziehungsweise die Barockpferderassen auch hier in Deutschland einen Platz haben können. Von Neindorff schulte damals meinen Sitz, an dem ich akribisch arbeitete. Michel Henriquet, Freund und Schüler von Maitre Nuno Oliveira vermittelte mir schließlich eine neue Sichtweise in der Reitkunst. Die reiterliche Ausbildung in Frankreichs berühmtester Reitschule „Cadre Noir“ in Saumur orientierte sich nicht nach den Methoden von Guérinière sondern nach denen Bauchers. So ging die altfranzösische Reitweise etwas verloren. Der Franzose Michel Henriquet, der sich mit seinem Reitstil nicht zufrieden gab, war seinerzeit auf der Suche nach der verschwundenen alt-französischen Reitweise. In Portugal entdeckte er den damals noch unbekannten Nuno Oliveira, der genau diese, von ihm gesuchte Reitweise ausübte.

Portugal war eng verbunden mit der französischen Reiterei. Der Zusammenhang französische Reitweise und Portugal muten vielleicht etwas seltsam an, doch durch den Stierkampf, der in Portugal praktiziert wurde und wird, wurde dort die Tradition alter französischer Reitkunst erhalten und kultiviert. Oliveira ging zurück zu den Quellen die-ser Reiterei und hat diese dann praktiziert. Er ritt so, wie man früher in Frankreich ritt. Berühmt-heit erlangte Oliveira schließlich dann durch Michel Henriquet. Auf Empfehlung von Henriquet kam ich schließlich in das portugiesische Staatsgestüt Altér do Chao (Altér Real) und zu einem anderen Schüler Nuno Oliveiras, dem ehemaligen Stierkämpfer José Athayde. Sehr stark beeindruckt hat mich die Reitkunst des Autodidakten Rafael Jurado Castillo in Sevilla. Castillo, einer der letzten großen Spanischen Reitmeister, hat die Doma Vaquera salonfähig gemacht und als Reitdisziplin ins Leben gerufen. Castillo hatte einen guten Draht zu den Pferden und war im Umgang mit den Pferden sehr leicht, sehr selbstverständlich und sehr fair – ein echter Pferdemann! Nochmals stark beeinflusst hat mich Manuel Jorge de Oliveira, ein portugiesischer Ausbilder, Stierkämpfer zu Pferde und begnadeter Reiter. Manuel Jorge de Oliveira, ebenfalls ein Schüler Nuno Oliveiras, verstand es, die Stierkampfreiterei und die Lehren Nuno Oliveiras zu vereinigen.

Pferde Regional: Was sind für Sie die wichtigsten Voraussetzungen für Ihre Arbeit mit den Pferden?

Marc de Broissia: Die erste Voraussetzung dafür ist, der Kreatur Pferd eine große Liebe entgegen zu bringen. Dann wird, neben Ruhe und Geduld, permanente persönliche Disziplin, Demut und ein Feeling für bestimmte Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen, benötigt. Man muss erkennen, wann man ein Pferd überfordert und man darf den eigenen Ehrgeiz nicht über das Wohlergehen des Pferdes stellen. Weiterhin sollte man sich permanent selber in Frage stellen und immer offen sein für andere Reitweisen.

Pferde Regional: Was bildet die Grundlage für Ihre Pferdeausbildung?

Marc de Broissia: Die Grundlage für die Ausbildung eines Pferdes bilden Vertrauen, entsprechende Disziplin und das Halten an bestimmte Regeln. Auch Elemente, die man in der deutschen Ausbildungsskala der klassischen Reitweise findet. Takt ist primordial, da kommt man nicht daran vorbei. Ich mag es, wenn das Pferd am Bein „elektrisch zündet“. Auf die Gangart Schritt lege ich großen Wert. Darauf kann man in Ruhe kommende Übungen aufbauen. Das Gleichgewicht beim Pferd ist sehr wichtig. Wenn dieses nicht vorhanden ist, kann man das Pferd nicht formen. Eine tägliche Gymnastizierung, die sich permanent wiederholt, ist sehr wichtig, um dem Pferd die Chance zu geben, dahin zu kommen, wo ich es haben möchte und dies ohne Verschleiß und Schaden.

Pferde Regional: Wo liegen Ihre Ausbildungsschwerpunkte?

Marc de Broissia: Meine Stärke liegt darin, dass ich mir viel Zeit für die Ausbildung der Pferde und diesbezüglich auch für mich selbst nehme. Ich leiste penible Kleinarbeit bei der Basisarbeit, die bereits an der Hand anfängt. Ein Pferd soll sich korrekt führen lassen und ruhig stehen bleiben. Das Ausführen einfacher Figuren, wie beispielsweise korrekter Volten gehören, wie die korrekte Stellung des Pferdes dazu. Im Laufe der Zeit habe ich bestimmte Fähigkeiten für die Lektionen Piaffe, Passage und den spanischen Schritt erlangt. Diese Übungen liegen mir gut, sie sind kompliziert und hierbei macht sich die Detailarbeit bezahlt.

Pferde Regional: Wie stehen Sie zum Thema Hilfszügel?

Marc de Broissia: Eine Palette verschiedener Hilfszügel, wie zum Beispiel das Gogue und das Chambon, habe ich früher als junger Reiter vorwiegend beim Longieren benutzt. Heute lehne ich die Verwendung von Hilfszügeln strikt ab. In Extremfällen benutzte ich gelegentlich beim Longieren Ausbinder, eventuell auch Dreieckszügel. Die Verwendung dieser Hilfszügel begrenze ich aber auf einige wenige Male. Der Zweck liegt darin, damit dem Pferd eine bestimmte Richtung aufzuweisen, beziehungsweise ihm den Weg nach unten zu zeigen. Hilfszügel beim Reiten sind bei mir absolut verpönt. Seit ich die iberische Reitkunst ausübe, habe ich keinen Hilfszügel mehr beim Reiten benutzt. Meine langjährige Erfahrung hat mir gezeigt, dass Hilfszügel oft nur ein kurzes Resultat zur Folge haben, das oft nicht dauerhaft anhält – ein Scheinerfolg! Mit Hilfszügeln soll das Pferd nicht in eine Form gepresst werden. Sie müssen intelligent benutzt werden, um zu helfen.

Pferde Regional: Was bedeutet für Sie die Reiterei?

Marc de Broissia: Reiterei ist mein Leben, sie steht an der ersten Stelle in meinem Leben, sie ist meine Passion. Ich habe viel dafür geopfert und viele Abstriche deswegen gemacht. Ich habe mich permanent weitergebildet, war und bin immer noch sehr neugierig. Vieles, auch die Familie, kam zu kurz. Diesen Weg sucht man sich normalerweise nicht unbedingt aus, man rutscht hinein. Die Reiterei ist eine Kunst, man vergisst, was sonst alles noch drum herum passiert. Man hat eine große Verantwortung gegenüber dem Pferd und dem Reitschüler. Man formt den Schüler nach einem eigenen Bild, welches man auf ihn projiziert hat. Die Reiterei hat viel mit Kunst und Kreativität zu tun und auch sehr viel mit Verzicht. Das Reiten übt eine Faszination auf mich aus, es ist Kommunikation und es hält einen körperlich und geistig enorm fit.

Pferde Regional: Welche Anforderungen stellen Sie an Ihre Reitschüler?

Marc de Broissia: Dieselben wie bei den Pferden. Meine Schüler sollten mir fast blindes Vertrauen entgegen bringen und sehr offen sein. Körperliche Fitness ist eine Voraussetzung. Sie sollten ein gutes Auffassungsvermögen haben, sehr kritisch sein und sich nicht scheuen, Fragen zu stellen. Mit der Materie sollten sie sich auseinandersetzen und sich immer wieder schlau machen auch anhand von Literatur. Meine Schüler sollten eine permanente Weiterbildung anstreben und beständiges Interesse für andere Reitweisen zeigen. Sie sollten offen sein, respektvoll mir gegenüber sein und gewisse Grenzen akzeptieren.

Pferde Regional: Haben Sie für die nahe Zukunft einen Showauftritt geplant?

Marc de Broissia: Früher hat es mir viel Spaß gemacht, in Shows aufzutreten. Es war auch immer eine tolle Atmosphäre. Derzeit habe ich keinen Auftritt geplant. Dies käme für mich erst wieder in Frage, wenn ich wieder ein Pferd hätte, das sich absolut dafür eignen würde. Hierbei stelle ich allerdings sehr hohe Ansprüche an das Pferd und mich selbst. Ein gemeinsamer Auftritt sollte beim Publikum auf Begeisterung stoßen. Wenn ich ein entsprechendes Pferd dafür und das Gefühl habe, dass die Sache passt, würde ich mich wieder in der Showarena präsentieren. Allerdings würde ich meine Auftritte auf zwei bis drei begrenzen. Die Leute sollen auf den Geschmack kommen. Es gab eine Zeit für mich, in welcher Showauftritte angesagt waren. Jetzt ist die Zeit gekommen, mehr meine Erfahrungen weiterzugeben, zu lehren und nicht mehr sich selber zu beweisen.

Pferde Regional: Welche reiterlichen Ziele haben Sie sich noch für die Zukunft gesteckt?

Marc de Broissia: Ich würde gerne weitere Pferde ausbilden und dabei wieder auf bestimmte Aufgaben und Probleme stoßen, die es zu lösen gilt.

Mein Ziel: Ich möchte mehr lehren und mein Wissen in größerem Umfang als bisher weitergeben. Ich möchte mehr Hilfe für Reiter leisten können, die Probleme haben und nicht für das eigene Ego da sein. Gerne würde ich Ausnahmeschüler ausbilden, die meine Erfahrungen und mein Wissen künftig weiter vermitteln können. Ich habe keine Berührungsängste, was Konkurrenten anbelangt.

Herr de Broissia, vielen Dank für das Gespräch.

Kontakt: eMail: reitkunst@marcdebroissia.de Website: www.marcdebroissia.de

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