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NBS – Natural Balance Shoeing

Submitted by on 3. Dezember 2011 – 06:00No Comment | 299 views

Gene Ovnicek hat in den 90ern des letzten Jahrhunderts Forschungen an „Wildpferden“ durchgeführt. Hierbei handelt es sich um seit langem verwilderte Hauspferde. Dabei konnten signifikante Unterschiede zu den Hufen von Pferden, die in menschlicher Obhut leben, festgestellt werden. Bedeutend schienen Ovnicek vor allem folgende Aspekte: Die Wildpferde trugen ihr Gewicht nicht nur mit dem Tragrand, wo ein normales Hufeisen aufliegt, sondern flächiger, unter Mitbelastung von Sohle und Strahl.

Die Hauptlast schien im Bereich der Trachten/Eckstreben und seitlich der Zehe auf vier Punkte verteilt zu sein. In der Sohle fand sich meist ein natürliches Sohlenpolster, aus losem Horn und/oder Erde. Die untersuchten Pferde wiesen einen definierten Abrollpunkt, eine Art natürliche Zehenrichtung auf. Dieser lag hinter der vordersten Stelle der Hufwand. (Später tauchte hierfür der Begriff „Mustang Roll“ auf). Desweiteren konnten dickere Sohlen und Hornwände, als bei Hauspferden beobachtet werden.Anhand dieser Ergebnisse wurde ein Ausschneideprotokoll ent-
wickelt, welches die Hufe unserer Pferde in diesen „natürlichen“ Zustand bringen soll – oder zumindest in seine Nähe.

Dies ist Barhuf oder, unter
Verwendung des NBS Hufeisens, Beschlagen möglich. Beim Ausschneiden ist es wichtig die weiteste Stelle des Hufes, bzw. die Lage des Hufbeines genau zu identifizieren und das Hufeisen dann passend zum Artikulationszentrum des Hufbeins zu positionieren. Desweiteren wird auf eine starke Sohle, stabil zurückgeschnittene Trachten und ein gestreckter Verlauf der Zehenwände geachtet. Der interessierte Schmied kann diese Technik in Lehrgängen erlernen.Nicht alle, die mit NBS Eisen Beschlagen, wenden diese Art auszuschneiden an, vermutlich sogar die Minderheit. Durch die Form der Eisen wird ein leichtes Abrollen  und eine großflächige Lastverteilung auf die oben beschriebenen Bereiche ermöglicht.
Unter all den neuen Beschlägen und Beschlagphilosophien die jährlich auf den Markt kommen, gehört das Natural Balance Shoeing (natürliches ausbalanciertes Laufen) sicherlich zu denen, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Nicht nur die NBS Eisen selbst werden inzwischen recht häufig verwendet, auch das Zurücksetzen von Hufeisen allgemein am Huf und überstehen lassen der Zehe, scheint seit Beginn des „NBS-Zeitalters“ viel häufiger als zuvor – doch dazu später mehr.

Aber auch hier gilt: Licht und Schatten gehören zusammen – es gibt kritische Gedanken, und diese scheinen nicht unberechtigt. Momentan sorgt in der Fachwelt eine Studie an Wildpferden in Australien und Neuseeland für Aufsehen, die einige der oben genannten Ergebnisse aus einem anderen Blickwinkel beleuchtet. Die australische Studie von Brian Hampson hat verschiedene Wildpferdepopulationen in verschiedenen Lebensräumen, in bisher einmaliger Genauigkeit untersucht.

Hierbei wurde festgestellt, dass es kein allgemeingültiges Grundmodell für den natürlichen Idealhuf gibt, sondern sich die Hufe je nach Lebensraum stark unterscheiden. Die oben beschriebene Zehenrichtung wurde auch hier gefunden. Bei genaueren Untersuchungen erwiesen sich viele Pferde, die ihre Hufe so abgenutzt hatten, aber als krank. Insgesamt lässt die Studie vermuten, dass wildlebende Pferde alles andere als ideal leben. Sie müssen vielmehr mit den Bedingungen ihrer Umwelt klar kommen, und scheinen damit genauso viel oder eher mehr Probleme zu haben, als unsere Pferde „zu Hause“. Nicht außer acht gelassen werden darf, dass es sich natürlich nirgends um „echte“ Wildpferde handelt, sondern um verwilderte Hauspferde, die somit wohl (noch) nicht optimal angepasst sind.

Diese zum Teil gegenläufigen Aspekte finden sich auch beim NBS Beschlag wieder. Einige Pferde laufen hervorragend mit diesen Beschlägen, profitieren  eindeutig von der Anwendung oben genannter Prinzipien und dem damit verbundenen erleichterten Abrollen.

Dies ist häufig bei kranken Pferden zu beoabachten; das deckt  sich auchuch mit den Ergebnissen aus Brian Hampsons Studie.

Anderen Pferden bereitet die kurze Zehe unter Umständen Schwierigkeiten. Zum einen fehlt manchen „Zehe“ um ihr natürliches Gangpotential entwickweln zu können, zum Anderen führen zurückgesetzte Eisen in tiefem Boden manchmal zu einem Einsinken der Zehe und somit verstärkter Belastung von zum Beispiel Fesselträger und oberflächlicher Beugesehne. Somit ist der Pferdebesitzer einmal mehr auf einen kompetenten Schmied angewiesen, um NBS Beschläge im richtigen Fall einzusetzen, und eben die positiven Ergebnisse zu erzielen die damit möglich sind.

Florian Häfner
staatl.gepr.
Hufbeschlagschmied/Huftechniker GdHK
74189 Weinsberg
0171-4726583
www.fh-hufbeschlag.de

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