Xenophon appelliert an die FN
Auf der FEI-Generalversammlung in Rio de Janeiro wird über einen neuen Passus im Dressurreglement abgestimmt, der klarstellen soll, ob und wann ein Dressurpferd wegen blutender Wunden eliminiert wird. Der Anstoß kam von Cornelissens Trainer Sjef Janssen, dem Ehemann der dreimaligen Olympiasiegerin Anky van Grunsven.
Der Club Internationaler Dressurtrainer, in dessen Vorstand Janssen sitzt, schlug dem Dressurkomitee der FEI eine Regelung vor, nach welcher der Reiter bei einem blutenden Pferdemaul zwar abgeklingelt wird, aber nach tierärztlicher Inspektion weiter reiten darf – in der nächsten Pause oder als letzter Starter, sofern die Wunde als harmlos eingestuft wird.
Pferde, die bluten, aus welchen Gründen auch immer,
gehören nicht in den Wettkampf.
Die angebliche Tatsache, dass die Deutsche Reiterliche Vereinigung dem Antrag in Rio de Janeiro zustimmen will, erschüttert die Mitglieder der Gesellschaft Xenophon, die sich für den Erhalt und die Förderung der klassischen Reitkultur einsetzt – vor allem aber auch die Begründung der FN, dass dadurch eine Team-Medaille gefährdet werden könnte!
Pferde, die, aus welchen Gründen auch immer, bluten, egal an welchen Körperteilen, gehören nicht in den Wettkampf.
Jeder gewissenhafte Reiter, Trainer und Ausbilder weiß, dass blutende Mäuler in der Regel durch zu harte oder falsche Einwirkungen, besonders mit den Zügeln, bzw. mit den Gebissen verursacht werden. Nur in ganz vereinzelten Fällen beißt sich ein Pferd durch Zufall auf die Zunge oder Lippe– und dann wäre es einfach Pech. Genauso, wie bei dem Pferd, das sich auf der ersten Diagonalen in der Trabverstärkung ein Eisen abtritt und danach nicht mehr klar geht. Auch dieses Pferd würde abgeklingelt werden und aus dem Wettkampf ausscheiden. Es könnte nicht, nachdem der Schmied eine Korrektur vorgenommen hat, noch einmal als letzter Starter antreten.
Auch hier könnte das Team in Mitleidenschaft gezogen werden!
Die Deutsche Reiterliche Vereinigung hat neben den Richtlinien für Reiten und Fahren, die ethischen Grundsätze des Pferdefreundes herausgegeben und veröffentlicht diese weiterhin in all ihren offiziellen Publikationen!
In diesen heißt es u.a.:
– Wer auch immer sich mit dem Pferd beschäftigt, übernimmt die Verantwortung für das ihm anvertraute Lebewesen.
– Der physischen und psychischen Gesundheit des Pferdes ist unabhängig von seiner Nutzung oberste Bedeutung einzuräumen.
– Ziel jeder Ausbildung ist die größtmögliche Harmonie zwischen Mensch und Pferd.
Dies sind wahrlich wunderbare Leitsätze, in einer Zeit, wo das Wissen um die Grundbedürfnisse des Pferdes zunehmend verlorengeht bzw. ihnen immer weniger Beachtung geschenkt wird, besonders im Zusammenhang mit dem sportlichen Einsatz.
Haben diese Grundsätze nur noch eine Alibifunktion? Sollen sie in Zukunft zu Gunsten einer eventuellen Mannschafts-medaille bei Olympischen Spielen und bei anderen Championaten ihre Gültigkeit verlieren? Wir appellieren an die Deutsche Reiterliche Vereinigung, sich auf ihre eigenen Grundsätze zu besinnen und sich nicht durch den Druck von einigen Wenigen zwanghaft Erfolgsorientierten, von den bewährten, dem Pferde verpflichtenden Maximen abbringen zu lassen.
Dies würde dem weltweiten, inzwischen schon angekratzten Ansehen der deutschen Reitkultur noch zusätzlichen Schaden hinzufügen.
Xenophon e.V.
Der Vorstand
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